Palawan-Musang-Kaffee: ein Zusammenarbeitsprojekt


Palawan-Musang-Kaffee: ein Zusammenarbeitsprojekt

Umweltschutz – Bildungsarbeit – Gesundheitseinrichtungen

Der Palawan Musang ist ein Wild-Civet-Coffee. Im größten Regenwaldgebiet der Philippinen auf der Insel Palawan werden die reifen Kirschen der wild wachsenden Kaffeepflanzen von den Civet- Katzen (auf den Philippinen Musang genannt) gefressen. Die Kaffeebohnen passieren den Organismus dieses außergewöhnlichen Tieres unbeschadet und nehmen in diesem Prozess einen besonders edlen Geschmack an.

Was macht den Schleichkatzen-Kaffee so besonders?

Der Fleckenmusang (Paradoxurus hermaphroditus) hat seinen natürlichen Lebensraum in verschiedenen Regionen Indiens, Indonesiens und den Philippinen. Die nachtaktive Katze verbringt die meiste Zeit im Dschungel. Als Allesfresser verspeist sie Insekten, Eier, kleine Küken, Bananen. Daneben ist sie eine der wenigen Tierarten überhaupt, bei der die Kaffeekirsche mit auf dem Speise- plan steht. Hierbei gilt ihr vornehmliches In- teresse natürlich dem reifen Fruchtfleisch. Die Kirschkerne gibt es eben inklusive. Diese werden jedoch nicht mit verdaut und später wieder aus- geschieden. Im Darm der Katze sind die für den Kaffeegenießer interessanten Kirschkerne einer natürlichen Nassfermentierung ausgesetzt. Durch die bei der Verdauung entstehenden Enzyme wird ein chemischer Prozess angestoßen, der die Geschmackseigenschaften des Kaffees verändert: ein dunkles, volles und erdiges Aroma mit Untertönen von Dschungel entsteht. Außerdem ist dieser Kaffee besonders mild und magenfreundlich.

Flecken-Musang ist eine bedrohte Tierart

Die größte Bedrohung für die Musang-Katze ist die Rodung des Regenwaldes. Palawan, die fünftgrößte Insel der Philippinen, verfügt noch über eines der größten zusammenhängenden Regenwaldgebiete. Dieses schrumpft aber jedes Jahr beträchtlich durch Abholzung. Eine weitere Bedrohung ist die Jagd.

Koberwitz 1924

Die gemeinnützige ‹Koberwitz 1924 Inc.› ist vor vier Jahren von der Ärztin Grace Zozobrado- Hahn und dem Gärtner und Autor Walter Siegfried Hahn auf der philippinischen Insel Palawan ins Leben gerufen worden. Der Name bezieht sich auf den Landwirtschaftlichen Kurs Rudolf Steiners, der 1924 auf dem Hofgut Koberwitz in Schlesien gehalten wurde und der die Geburtsstunde der biologisch- dynamischen (Demeter) Landwirtschaft darstellt. Wie beim landwirtschaftlichen Kurs, so geht es auch in diesem Unternehmen um grundlegende Impulse für Landwirtschaft, Ernährung und Heilkunde – oder auch: Erde, Wasser und ein erfülltes menschliches Leben.

Zu den von ‹Koberwitz 1924› erfolgten oder noch laufenden Projekten gehören:
  • Aufbau eins Waldorfkindergartens incl. Neubau von Räumlichkeiten.
  • Die Saatgut-Produktion ‹Seedgarden› mit Akklimatisierung und Vermehrung biologisch-dynamischer Gemüse-Sorten sowie Mais, Hirse, Amaranth und Lichtwurzel, Yams, Maniok.
  • Ein zwölf Hektar großer Wald mit mehr und mehr inidigenen Gehölzen. Vertrieb von einfachen Trinkwasserfiltern. Mithilfe beim Umgang mit Wasser im Siedlungsbau, Bau einer beispielhaften Kläranlage
  • Herstellung und Vertrieb von sinnesförderndem Spielzeug.
  • Beratung bei der Einrichtung von Spielplätzen.
  • Notfallpädagogik z.B. nach der Natur-Katastrophe 2013.
  • Friedenspädagogik,
  • Fortbildungen für Lehrer, Ärzte und Laien,
  • Zusammenarbeit mit Freiwilligen aus Europa.

Das Schleichkatzen-Projekt: Hilfe zur Selbsthilfe

Die Idee der Weiterverarbeitung dieser auf dem Tropenwald liegenden Ausscheidungsprodukte der Civetkatze bestand bei Grace Zozobrado-Hahn und Walter Siegfried Hahn schon seit 2008, als sie die ersten Kaffeekirschkerne bei einer Exkursion im Dschungel entdeckten. Doch erst 2012 fanden sie in der DeKene-Kaffeerösterei interessierte Partner.

Die Leitung des Kaffee-Projekts von Koberwitz 1924 liegt bei Ronnie Olorga, der in der Gemeinde Babuyan selbst landwirtschaftlich tätig ist. Er implementiert bei den interessierten Waldbewohnerinnen und -bewohnern den von Grace entwickelten Qualitätssicherungsprozess, sorgt mit ihr zusammen für Fortbildungen und Entwicklung und leitet die Arbeit vor Ort vom täglichen Sammeln über Reinigung und Trocknung bis hin zur Gewichtsprüfung. Die vollen Säcke werden regelmäßig am Sitz von Koberwitz 1924 abgeliefert, von wo sie über Manila (und schier unendliche administrative Hindernisse) die Reise nach Europa antreten. Das Projekt ist von Koberwitz 1924 vorfinanziert, wobei Projektleiter und Sammler einen höheren Lohn als üblich erhalten. Bei entsprechendem Verkaufserfolg werden sie darüber hinaus an diesem Gewinn beteiligt.

Teil der entwickelten Qualitätsstandards sind Absprachen mit den Kaffeesammlerinnen und -sammlern:
  • Die Katzen dürfen nicht eingesperrt und gemästet noch anderweitig wegen ihre Vorliebe für Kaffeekirschen beschränkt werden.
  • Gesammelt wird selbstverständlich nur Kaffee von wild lebenden Katzen. Der Lebensraum der Katze ist zu schützen, d.h. Bäume dürfen nicht ohne weiteres gefällt oder Müll in der Natur zurück gelassen werden.
  • Obwohl auf Palawan ein striktes Rodungsverbot von Waldbäumen besteht, ist das Fällen der Bäume und die Produktion von Kohle an der Tagesordnung. Durch das Kaffeeprojekt als alternative Einnahmequelle wird dies zumindest eingedämmt und über entsprechende Bildungsund Verdienst-Angebote in Zukunft vielleicht ganz beseitigt werden können.
  • Der Kaffee wird nur von wild wuchernden Kaffeepflanzen im Dschungel bezogen.
  • Die Kaffeesammlerinnen und -sammler erhalten einen deutlich höheren Kilopreis für den Rohkaffee sowie einen Anteil von der Einnahme des verkauften Röstkaffees.
  • Ein weiterer Teil der Einnahmen aus dem Projekt wird als wichtiger Teil der Finanzierung der Bildungsarbeit von Koberwitz 1924 verwendet.


Palawan-Musang-Coffee entsteht

Die Produktion des Musang-Kaffees ist sehr aufwendig und erfordert viel Genauigkeit und Zeit. Die nachtaktive Musang-Katze, die dem Kaffee auch seinen Namen gibt, frisst nur die süßesten und reifsten Kaffeefrüchte und scheidet diese dann aus. Der braune, zu kleinen Haufen zusammengepresste Kot kann dann von den Bauern am nächsten Morgen eingesammelt werden. Die SammlerInnen müssen täglich große Arealen auf Kaffee durchforsten, um so eine gute Qualität garantieren zu können, denn nach zwei Tagen setzt bereits ein Qualitätsverlust ein. Regelmäßige Kontrollen helfen, Verunreinigungen auszuschließen und ein qualitativ hochwertiges Produkt zu gewährleisten. Nach dem Sammeln des Musang-Kaffees wird die Rohware zweimal sorgfältig mit Flusswasser gewaschen und in der Sonne oder an der Luft getrocknet. Im Anschluss werden die Kaffeebohnen mit einem Holzstößel gestampft, um sie von den Spelzen zu befreien. Auf Trampelpfaden gelangen die zum Export bereiten Kaffeebohnen von den Bergen ins Tal und zur Hauptstraße, entweder auf von Carabaos, den philippinischen Wasserbüffeln, gezogenen Karren oder auf dem Wasserweg. Von dort geht es mit dem Bus weiter in das zwei Stunden entfernte Puerto Princesa, die Hauptstadt Palawans. Nun kann der Kaffee die Schiffsreise in die deutsche Kaffeehauptstadt Hamburg antreten.

Die DeKene Kaffeerösterei

Die DeKene-Rösterei verarbeitet ausschließlich qualitätsgeprüften Rohkaffee aus besten Lagen und bietet daher ausnahmslos hochwertige und wohlschmeckende Kaffeesorten an. Der Palawan-Musang wird in traditionellem Handwerk durch schonende Langzeit-Röstung im gasbetriebenen Trommelröster veredelt, sodass sich die über tausend verschiedenen Aromen entfalten können. Mit diesem besonderen Röstverfahren werden die grünen Bohnen vollständig ausgeröstet, was die Bitterstoffe und Säuren harmonisiert. Der Palawan-Musang genießt aufgrund seiner Qualität eine Sonderbehandlung und wird in kleinen Chargen von je 1 kg geröstet und mehrfach handsortiert.

Die DeKene-Kaffeerösterei ist ein Teilbetrieb der ‹Gemeinschaft in Kehna› und daher arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung als KollegInnen zusammen. Vom Röstvorgang über die Produktion bis zum direkten Verkauf arbeiten sie Hand in Hand. Der Zusammenarbeit mit anderen sozialen Projekten wie Koberwitz 1924 wird ein hoher Stellenwert eingeräumt.

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